Meditation: Herzstück chinesischer Medizin Chinesische Kräuter wichtiger als Akupunktur?
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Dr. med. Imtraud Kauschat am 25.05.1996

Heilung ist mehr als Symptomunterdrückung

Krankheiten machen wir gewöhnlich an Symptomen fest, z.B. die Nase läuft, wir husten, wir haben Schmerzen, Durchfall, ein Taubheitsgefühl. Das spüren wir, können wir sehen, hören.

Was ist eigentlich ein Symptom?

Ein Symptom kann man als das rote Lämpchen verstehen, das am Armaturenbrett aufleuchtet, wenn am Auto etwas nicht in Ordnung ist. Ein Symptom - es kann von einer kaum wahrnehmbaren Abgeschlagenheit bis hin zu massiven Blutungen aus dem Darm oder einem Vernichtungsschmerz reichen - ist immer ein Hinweis darauf, daß die Balance im Körper nicht mehr gewahrt ist.

Kommen wir zurück zum Auto. Wir können einfach nicht mehr hinschauen und so tun, al sei alles in Ordnung. Das könnte man in etwa damit vergleichen, daß wir trotz Grippe zur Arbeit gehen, weil uns weigern, sie zur Kenntnis zu nehmen.

Wir können ein unsichtbares Klebeband darüberkleben, dann sehen wir es nicht mehr. Ebenso können wir das Birnchen herausschrauben, dann leuchtet es auch nicht mehr. Das würde dem Kurieren eines Symptomes entsprechen, z.B. Schlafstörungen mit einer Schlaftablette zu behandeln.

Wir können auch in die Werkstatt fahren, um nach der Ursache suchen und sie beheben zu lassen. Das käme einer kausalen Therapie gleich.

Die häufigste Variente in der Schulmedizin ist die zweite.

Ein Dilemma ist, daß das, was wir als Patienten spüren, hören, sehen, oft von der Schulmedizin nicht wahrgenommen wird, weil es nicht im Blut oder mit Röntgen oder Ultraschall usw. meßbar ist. Wir sind also "gesund" oder zumindest nicht krank, obwohl wir uns schlecht fühlen. Von "Heil sein" kann in einem solchen Fall schon gar nicht die Rede sein.

Heilung wird in der Regel von den Menschen als Prozeß bezeichnet, der am Ende in ein körperlich und geistig-seelisches Wohlbefinden führt.

Wie oft kommen Patienten, die z.B. wegen einer Sinusitis mit Antibiotika behandelt wurden, die Sinusitis, die Kopfschmerzen sind weg, aber sie fühlen sich schlapp, haben das Gefühl, daß sie sich nicht richtig erholt haben von der Erkrankung.

Dazu das Beispiel einer 36 jährigen Patientin.

Im Januar diesen Jahres hatte sie hohes Fieber, einen grippalen Infekt. Seitdem das Gefühl, sich nie ganz erholt zu haben, daß immer etwas latent vorhanden ist, ist müde und schlapp, fühlt sich allgemein nicht wohl.

Dies ist ein Beispiel, daß das Verschwinden von Symptomen nicht gleichzusetzen ist mit einer Heilung.

Eine weitere Patientin, 31 Jahre alt , kam mit einem schwersten, nässenden Ekzem an den Händen, Unterschenkeln und Füßen und im Gesicht.

Begonnen hatte die Leidensgeschichte mit einer Amalgamsanierung zwei Jahre zuvor. Kurz danach hatte sich eine Akne rosazea eingestellt, die antibiotisch behandelt wurde. Ca. ein halbes Jahr später stellte sich eine Sinusitis ein, die Augen fingen an zu eitern, es erfolgte eine erneute antibiotische Behandlung, danach waren die Symptome für kurze Zeit verschwunden.

Nach ca 2 Monaten erneute Sinusitis, die Halslymphknoten schwollen stark an, erste kleine Ekzemstellen traten auf.

Es erfolgte eine erneute antibiotische Behandlung, die Haut verschlimmerte sich, es trat ein starker Juckreiz auf. Deswegen erhielt sie eine Cortisonbehandlung. Damit wurde die Haut besser, sie hatte aber immer das Gefühl, daß das Ekzem nicht richtig weg war, sondern noch latent vorhanden sei.

Ganz schlimm wurde es, als ein vereiterter Zahn gezogen werden mußte. Da kam es dann zu einer massiven Ausbreitung des Ekzems, das so stark näßte, daß es manchmal richtig an den Beinen herunterlief.

Es erfolgte eine Behandlung mit chines. Phytotherapie, um den Ausleitungsprozeß zu unterstützen sowohl über Niere und Darm als auch schleimlösend im Nasenbereich sowie zur Stärkung des Milzfunktionskreises, der sehr geschwächt war.

Danach kam es zu vermehrter Absonderung von Schleim aus der Nase, zu stark riechendem Urin, auch etwas stärker riechendem Stuhlgang, alles Hinweise auf Entgiftungsvorgänge. Nach vier Monaten Behandlung ist jetzt eine deutliche Besserung eingetreten, es näßt nur noch selten, der Juckreiz ist zurückgegangen, die Patientin fühlt sich wohler, energiereicher.

Nun noch ein kurzer Bericht über eine Patientin, die ich schon seit über 10 Jahre betreue. Sie kam zu mir wegen Angstzuständen, Schwindel, Schwäche und Gangunsischerheit bei MS. Die Beschwerden besserten sich unter der Behandlung mit TCM (im wesentlichen Phythotherapeutika), bis sie an einer Sinusitis erkrankte. Sie erhielt von ihrem Hausarzt ein Antibiotikum, innerhalb von wenigen Tagen traten die Symptome von Seiten der MS wieder auf.

Es erfolgte eine Schleim ausleitende Behandlung für die Nebenhöhlen, danach besserten sich auch die Beschwerden von Seiten der MS. Seitdem wird jede Erkältung/Sinusisits nur noch mit TCM behandelt.

Was kann man aus den Fallberichten ableiten?

1. Symptombehandlung bewirkt keine Heilung.

Die Symptome verschwinden zwar, hinterlassen im besten Fall aber einen geschwächten Menschen, der oft sehr schnell wieder erkrankt.

Bei der Symptombehandlung arbeiten wir nur an der Oberfläche, dafür sind die Schmerzbehandlung in der Rheumatherapie oder die Behandlung von Schlafstörungen mit Schlafmitteln sehr gutes Beispiel.

Bewertungskriterum für eine Heilung: Nach einer ausreichend langen Behandlung (abhängig von der Schwere der Erkrankung) und Absetzen der Therapie darf das Symptom nicht wieder auftreten.

2. Die Patienten merken selbst sehr gut, wann nur die Symptome behandelt wurden, sie aber nicht geheilt wurden.

In der Regel äußern sie sich mit folgenden Worten: Seitdem bin ich schlapp, ich habe mich nie richtig erholt, ich spüre, daß latent immer noch etwas da ist, mir geht es nicht gut.

Sie können häufig auch einen Zusammenhang zwischen der Behandlung bestimmter Erkrankungen/Symptome und neuen Symptomen/Krankheiten feststellen.

Bewertungskriterium für eine Heilung: Der Patient muß sich wohl fühlen nach dem Verschwinden des Symptoms.

3. Ärzte erkennen die Zusammenhänge häufig nicht:

zum einen, weil sie in der Anamnese nicht nach Vorerkrankungen und deren Behandlungen fragen.

Zum anderen kann ich nur etwas erkennen, über das ich etwas weiß. Wenn ich davon ausgehe, daß z.B. die antibiotischen Behandlung einer Sinusitis die Therapie der Wahl ist, werde ich in der Regel das Auftreten eines Ekzems nicht damit in Verbindung bringen.

Zum dritten erfahren die Ärzte oft nichts von den Folgeerkrankungen wegen der zunehmenden Spezialisierung. Der HNO-Arzt behandelt die Sinusitis, wegen des Ekzems geht der Patient zum Hautarzt.

Bewertungskriterium für eine Heilung: Nach einer ausreichend langen Behandlung darf der Patient nicht nach kurzer Zeit an anderen Symptomen erkranken.

4. Für eine wirkliche Heilung bedarf es eines ganzheitlichen Ansatzes in Anamnese und Therapie und natürlich auch der medizinischen Philosophie.

Wir müssen erfahren, wann eine Krankheit begonnen hat in Relation zu persönlichen und sozialen Bezügen des Betreffenden, zu klimatischen Bedingungen, zu Vorerkrankungen. Viele Patienten geben z.B. an, daß sich unter Streß ihre Beschwerden verschlimmern oder gar erst auftreten. Wenn ich dann z.B. bei einem Juckreiz, der nur unter Streß auftritt, nur Cortisonsalbe verordne, dann verletze ich meiner Ansicht nach meine ärztliche Aufklärungs- und Fürsorgepflicht.

Hinweise für eine Heilung: Es sollte nicht nur ein Symptom verschwinden, sondern der Mensch sollte sich in seiner Ganzheit, seiner Leiblichkeit wohlfühlen. Hier stoßen wir natürlich an die Grenzen der Erwartung, die Patienten an uns haben. Wenn z.B. jemand nur seine Migräne behandelt haben will und wir noch weitere Störungen in der Anamnese finden wie z.B. Menstruationsstörungen, die der Patientin aber erträglich erscheinen, wird sie vermutlich nicht bereit sein, sich weiter behandeln zu lassen, besonders da sie die Behandlung in der Regel privat bezahlen muß.

5. Eine Methode, die diesen Anforderungen gerecht wird, ist die TCM.

Sie liefert ein holistisches Menschenbild, das sogar soweit geht, daß Körper und seelische Zustände eng miteinander verwoben sind über die Funktionskreise.

Der Therapieansatz berücksichtigt die Geschichte der Erkrankungen, die Auslöser usw. greift an der Ursache an.

Es gibt unterschiedliche Methoden, die jedem gerecht werden, z.B. die Phytotherapie als interne Therapie, die Akupunktur und Massage als Be-Handlung im Sinne von Hand anlegen, was auch sehr wesentlich ist und im Rahmen der Technisierung immer weniger in der westlichen Medizin stattfindet, Qigong als Bewegungs- und Entspannungstherapie mit meditativen Anteilen

und einer Ernährungslehre.

Natürlich kann man auch im Rahmen der TCM sypmtomorientiert behandeln, die TCM liefert aber eine sehr gute Möglichkeit, ganzheitlich zu behandeln.