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Dr. med. Imtraud Kauschat am 25.05.1992

Umweltbedingte Störungen des Funktionskreises Milz

Der Milz-Funktionskreis ist der Funktionskreis, der nach meiner Erfahrung mit am Häufigsten und oft als erster von Störungen betroffen ist.

Er hat aus der Sicht der TCM die Aufgabe eines Zwischenspeichers. Alles, was wir aufnehmen, wird dort "sortiert".

Zunächst werde ich die Funktion erläutern:

Man könnte ihn - übertragen auf Alltagsverhältnisse - mit einer Sammelstelle für Recycling-Material vergleichen.

Wenn entweder nicht zu viel angeliefert wird

oder er stark genug ist, also z.B. genügend Personal da ist zum Sortieren und ausreichend Endabnehmer da sind,

kann er ordnungsgemäß arbeiten.

Seine Aufgabe ist, das zu trennen, was der Körper braucht von dem, was er nicht braucht. In der TCM spricht man von Trennen in die klaren und trüben Säfte.

Die klaren Säfte werden weitergeleitet nach oben zum Lungen-Funktionskreis, der sie zum Befeuchten und Kühlen benötigt. Die trüben Säfte leitet der Magen-Funktionskreis, der Partner des Milz-Funktionskreises nach unten zur weiteren Verarbeitung/Verdauung.

Auf das Müllkonzept angewandt, könnten z.B. gut erhaltenen Kleider oder Möbel zur Verwendung gleich weitergegeben werden, wiederaufbereitbarer Müll wird an die entsprechenden Firmen weitergereicht und dort verarbeitet.

Wenn nun zu viel Müll angeliefert wird, passiert das, was wir vor Kurzem erlebt haben: er wird einfach auf Deponien gelagert.

Übertragen auf den Körper finden wir die Deponien zunächst in der Körperschicht, die dem Milz-Funktionskreis zugeordnet ist, dem "Fleisch", das dem Körper die Form gibt, dem Bindegewebe.

Wir sprechen hierbei von Schlacken, allerdings finde ich die Begriffe der TCM zutreffender. Schlacken hört sich sehr materiell, fest an.

Die TCM spricht zunächst von Feuchtigkeit; wenn der Prozeß lange dauert, viel eingelagert wird, läuft ein Teil des "Wassers" quasi ab, es verdichtet sich, es entsteht "Schleim". Dies ist oft mit Hitze verbunden, auch in der Mülldeponie entsteht ja Hitze, wie wir wissen. Wir haben es sehr häufig mit heißem Schleim zu tun.

Der Milz-Funktionskreis hat als Zwischenspeicher nicht die Möglichkeit, die Feuchtigkeit oder den Schleim selbst abzugeben, dazu benötigt er die Hilfe seiner "Kollegen". Schleim wird oft in der Form des uns bekannten Schleimes bei einer Bronchitis oder Sinusitis "entsorgt", er kann durch Ausfluß, als Schleim über den Darm, über die Haut bei nässenden Dermatosen ausgeschieden werden.

Werden diese Ventile verstopft durch Antibiotika, Antimykotika, Cortison z.B., dann kommt es zu größeren Stauungen, dann werden im übertragenen Sinn, "wilde Deponien" angelegt, z.B. in Form von Otitis media bis hin zur MS, Rheuma, Bewußtseinstrübungen, Depressionen, Geisteskrankheiten. Diese wilden Deponien sind natürlich viel schwerer zu behandeln, "aufzuräumen" als die normalen.

Warum wird nun der Milz-Funtionskreis so oft betroffen von Störungen?

Wir müssen uns vor Augen halten, daß er die erste "Verdauungsinstanz" darstellt.

Alles, was wir aufnehmen, wird dort zuerst bearbeitet, Nahrung, Trinken, Nachrichten, Anforderungen.

Wenn wir uns vergegenwärtigen, wie sich unser Leben in den letzten 50 bis 70 Jahren verändert hat, ist klar, daß unser Körper keine Möglichkeit hatte sich innerhalb dieser kurzen Zeit an die veränderten Lebensbedingungnen anzupassen. Wir haben sehr viel mehr zu "verdauen" als unsere Eltern oder gar Großeltern.

Wie essen in der Regel mehr, vor allem auch Süßes. Der süße Geschmack wirkt in kleinen Mengen stärkend auf den Milz-Funktionskreis, in größeren Mengen schädigend. Probleme kann auch das Essen von Gemüsen und Obst mit sich bringen, die nicht der Jahreszeit angemessen sind. Im Sommer sind z.B. Gurken, Tomaten, Pfirsiche, Beeren gut für uns, da sie kühlend wirken und feucht sind. Im Winter sind sie sicher nicht geeignet bei unserem Klima, das Wohlbefinden zu stärken. Unsere Vorfahen hatten noch ein viel besseres Gefühl, was im bekömmlich war, es gab Speisen mit wärmenden Gewürzen, z.B. Zimt, Kardamom, Ingwer, Kümmel im Kraut.

Wir trinken viel mehr Alkohol.

Wir werden von einer Flut von Nachrichten überschwemmt, morgens zum Frühstück die Zeitung, auf dem Weg zur Arbeit das Autoradio, bei der Arbeit müssen wir immer mehr Informationen verarbeiten, auf dem Heimweg das Autoradio, im Stau wird uns viel Konzentration abverlangt, die Informationen müssen sofort verarbeitet werden, sonst kann es sehr gefährlich werden, zu Hause die Familie, der Fernseher... Man könnte auch von einem Informations-Smog sprechen. In der Regel sind das auch alles keine angenehmen Informationen.

Man kommt ins Grübeln, das belastet den Milz-Funktionskreis noch mehr, um ihn zu stärken, greift man zu Süßigkeiten, zu viel schwächt den Funktionskreis dann wieder, man braucht mehr Süßigkeiten usw. .

Das kann dann hinführen bis zur Sucht!

Es gibt verschiedene Arten von Süchten, alle kennen die Sucht nach Essen, nach Süßem, nach Zigaretten, nach Alkohol, Drogen, Arbeit. Es gibt aber auch eine Sucht nach Nachrichten, ich kenne Leute, die dauernd versuchen, die neuesten Nachrichten zu hören, besonders extrem war es während des Golfkrieges.

Sehr bedeutend ist auch die Sucht nach Action, die sich in unterschiedlichen Phänomen widerspiegelt. Wenn man alte Filme einmal wiederseht, bemerkt man ein viel ruhigere Kameraführung, Schnitte sind seltener. Die Sucht nach Action führt auch dazu, daß immer weniger Menschen Stille, Ruhe ertragen können. Selbst im Urlaub muß was los sein, Abenteuer-Urlaub, Club-Urlaub etc..

Auch für Kinder wirkt sich diese Entwicklung stark aus, sie führt zu zunehmenden Problemen in der Schule, kein Lehrer kann mit einem Zeichentrickfilm konkurrieren!

Eine starke Belastung stellen auch Urlaube in anderen klimatischen Zonen dar, besonders der Urlaub in Südafrika an Weihnachten zum Beispiel. Innerhalb von Stunden kommen wir aus dem Winter in den Sommer und nach kurzer Zeit wieder zurück.

Die Fähigkeit "Nein" zu sagen, ist eine der wichtigsten Fähigkeiten des Milz-Funtionskreises!!!

Wir merken, daß uns das Nein-Sagen immer schwerer fällt, den Patienten gegenüber, den Kindern gegenüber etc..

Was können wir also tun?

Es gibt vieles, was jeder von sich aus - auch jeder Patient - tun kann:

1. eine sinnvolle Ernährung mit wenig Süßem, insgesamt nicht so viel essen, nicht so häufig essen. Ders Saison angemessen essen.

2. weniger Informationen aufnehmen, besser auswählen, was wir an Information und Nachrichten wissen wollen.

3. versuchen, unseren Lebensrhythmus besser an die Natur anzupassen, im Winter eher ins Bett gehen, im Sommer kann man länger aufbleiben "mit den Hühnern aus dem Bett, mit den Hühnern ins Bett".

Ich werde nun über eine Patientin berichten.

Sie kam vor 8 Jahren in meine Behandlung mit MS.

Zu dieser Zeit litt sie unter starkem Schwindel,der durch Bewegung verschlechtert wurde, unter Schmerzen im Schulter-Nacken-Bereich, fror sehr viel, konnte aber auch keine Hitze vertragen. Sie schwitzte bei geringer psychischer Belastung, hatte Kreislaufprobleme nach dem Essen.

Weiterhin bestand zeitweise gelblicher Ausfluß. Durst hatte sie kaum, sie mochte eher Warmes, sie hatte gesteigertes Schlafbedürfnis, Müdigkeit mit Gliederschwere. Sie grübelte sehr viel, konnte sich nicht richtig freuen, aber auch nicht richtig wütend sein. Sie war lange nicht erkältet gewesen.

Zwischen ihrer Mutter und ihr sowie zwischen ihrer Schwiegermutter und ihr bestand ein gespanntes Verhältnis, weil sie alle von ihr Unterstützung erwarteten und nicht akzeptierten, daß es ihr nicht gut ging. Sie konnte aber auch nicht richtig nein sagen. In der Familie gab es Probleme mit dem Sohn, der unter einem hyperkinetischen Syndrom litt und deswegen in der Schule Schwierigkeiten hatte .

Die Pulse waren folgendermaßen: lubricus/schlüpfrig über der Taststelle des Milz-Fk, chordal/angespannt über der Taststelle des Leber Fk. und über der des Nieren-Fk li.. Über der Taststelle des Nieren-Fk. re war der Puls Inanis/schwach.

Die Zunge war feucht weißlich belegt.

Diagnose aus Sicht der TCM: Schwäche des Milz-Qi mit Beteiligung des Leber- und Nieren-Funktionskreises

Sie erhielt über lange Zeit Medikamente, die den Milz-Fk. stärken wie Rhiz. Atractylodis macrocephalae, Semen Jujubae, Radix Glycyrrhizae, Rhiz. Dioscoreae. Zeitweise wurden auch Kräuter für die Stützung und Entspannung des Leber-Fk. verabreicht, aber diese spielten nicht die entscheidende Rolle.

Nach einiger Zeit trat eine schwere Sinusitis auf, die sie von ihrem Hausarzt behandeln ließ. Sie erhielt ein Antibiotikum und hatte promt nach einigen Tagen wieder eine Schwäche in der rechten Körperseite. Mit Medikamenten, die das qi/Energie des Milz-Fk stützten sowie solchen, die Schleim ausleiteten, konnte dieser neue Schub abgefangen werden.

In starken Belastungszeiten traten immer wieder leichte Schübe und /oder Schwindelzustände auf, die jedoch gut abgefangen werden konnten mit den o.g. Mitteln.

In den letzten 3 Jahren hatte sie überhaupt keinen Schub mehr, Schwindel nur noch angedeutet, obwohl sie hin und wieder starken Belastungen ausgesetzt war.

Sie kann ihrer Mutter und Schwiegermutter gegenüber ihre Interessen besser vertreten, konnte mit ihrem Sohn, insbesondere auch während dessen Pubertät recht gut umgehen, eher mal "nein" sagen.

Inzwischen ist sie seit ca 5 Jahren wieder berufstätig.

Eine gute Hilfe war ihr auch die Teilnahme an Qi gong-Kursen über 2 Jahre.

Während der Sinusitis, die sie zu Beginn der Behandlung hatte und bei deren Behandlung mit einem Antibiotikum eine neuer Schub auftrat, fiel ihr ein, daß sie vor dem ersten Auftreten der MS auch eine Sinusitis hatte.

Vor einiger Zeit las ich auch eine schulmedizinische Untersuchung, in der berichtet wurde, daß vor der Erstmanifestation von MS überzufällig häufig eine Sinusitis bestanden hatte.

In ihrem Fall kann man sagen, daß sich die MS auf ein ungelöstes Problem des Milz-Funktionskreises zurückführen ließ und auch darüber behandeln ließ. Gier ließ sich folgender Verlauf rekonstruieren:

Der Milz-Funktionskreis ist überlastet, in diesem Fall vermutlich durch vieles Grübeln, das Qi wird geschädigt, es steht dem Lungen-Fk. nicht genügend Qi zur Abwehr zur Verfügung, es kommt zu gehäuften Infekten. Diese weden nicht richtig auskuriert bzw. mit Antibiotike behandelt, es sammelt sich Feuchtigkeit bzw. Schleim an. Der Körper unternimmt Selbstreinigungsversuche in Form einer Sinusitis, diese wird wie gehabt behandelt usw., der Teufelskreis hat nun schon den Lungen-Fk. erreicht. Diesem wird die zugeteilte Reinigungsaufgabe verwehrt, er kann nur noch weiterreichen an den Nieren-Funktionskreis, Endstation "wilde Mülldeponie". Dann bricht das System zusammen, die Patientin erkrankt an MS. Der Prozeß der Heilung, wenn man von einem solchen sprechen kann zum jetzigen Zeitpunkt, geht den gleichen Weg zurück. Wenn man dabei wieder das Ventil verstopft, - wie geschehen-, erleidet die Patientin wieder einen neuen MS-Schub.